Sektion II: Kino als Dispositiv zur Vermittlung von Wissen und Erfahrung

Francesco Casetti hat darauf hingewiesen, dass die Kinoerfahrung seit Beginn des 20. Jahrhunderts eng mit einer medial bestimmten Auseinandersetzung mit dem Realen verbunden war. In den Untersuchungen der Sektion II wird der Film mit dem Rekurs auf das Reale als Bestandteil sowohl persönlicher Erfahrungen wie auch kollektiver, historischer Einsichten gesehen, die vom Film zunächst (mit-)bedingt werden, aber immer wieder auch aufgegriffen, neu verhandelt und transformiert werden können. Es geht darum, wie Filmemacher die Ästhetik und die Dramaturgie von Filmen so gestalten, dass sie in der Besonderheit des Dispositivs Kino am besten zur Geltung kommen. Dabei soll auch geklärt werden, wie Filmästhetik diesen Bedingungen Rechnung trägt, sie immer wieder nährt und damit auf die sinnliche Erfahrung des Kinoerlebnisses fokussiert bleibt.

Das Besondere der Kinoerfahrung für den einzelnen Rezipienten wird in Sektion II in einem Gegenspiel aus Sinnesreizung und Herausforderung einerseits, Verarbeitung des Wahrgenommenen und Aktivierung von Schemawissen andererseits analysiert. In diesem Sinne wird die Filmerfahrung nicht als bloße Wissensvermittlung betrachtet. Sie aktiviert ein Zusammenspiel von Vorwissen und vermittelten Inhalten, von Sinnesreizen und Verständnismomenten, von Erwartungen und Herausforderungen, die nur in einem dialogischen Schema verstanden werden können.

Die Kinoerfahrung hat sich, so Casetti, vom Beiwohnen hin zur Performance entwickelt. Der Zuschauer wird gefordert. Sektion II widmet sich dieser neuen Perspektive auf den Kinozuschauer: Kinoerfahrung ist Attraktion und Genuss, Teil einer historischen wie individuellen Erfahrung und ermöglicht es, Relationen zu reflektieren und die Sinne zu aktivieren, nicht zuletzt in einen Austausch mit Wissensbeständen und anderen Rezipienten zu treten.

 

Section II: Cinema as a dispositif for the communication of knowledge and experience

Francesco Casetti pointed out that since the beginning of the 20th century the experience of cinema has been closely related to a media-determined debate about the real. In the analyses in section II film is seen with recourse to reality, both as part of personal experiences and collective historical insights. These are partly conditioned by films. But they can also be picked up, debated anew and transformed. The point is how filmmakers create the aesthetic and the dramaturgy of films to show the characteristic dispositif cinema at its best. In doing so, it shall be explained how film aesthetics accommodates these conditions, how it repeatedly feeds these conditions and keeps the focus on the sensual cinema experience.

In section II, the peculiarity of the cinema experience for the individual recipient is analysed with regard to the sensory stimulation and challenge on the one side, processing of the perceived and activation of schema knowledge on the other. That said, the film experience is not merely seen as a communication of knowledge. It triggers an interplay of previous knowledge and communicated contents, of sensory stimulations and moments of understanding, of expectations and challenges that can only be understood in a dialogical way. 

For Casetti, the experience of cinema has changed from attendance to performance. The spectator is challenged. Section II is devoted to this new perspective on spectatorship: the experience of cinema is both an attraction and pleasure, part of an historical and individual experience. It makes way for reflection on relations and sensual activities and opens up an exchange of inventories of knowledge and other recipients.

 

Bibliographie:

Casetti, Francesco (2010): „Die Explosion des Kinos. Filmische Erfahrung in der post-kinematografischen Epoche“. In: Montage AV 19/1/10, „Erfahrung“, S. 11-36.