Dr. Daniel Kulle, Dipl-Biol.

Studium der Biologie und Geografie mit Forschungsreisen nach Namibia, Honduras und in die Antarktis. Diplomarbeit in Polarökologie und Fotosyntheseforschung. Zusatzstudium der Filmwissenschaft an der Universität Zürich. Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Seminar für Filmwissenschaft der Universität Zürich und am Institut für Sprache, Medien- und Musikwissenschaft der Universität Bonn. Dissertation zum Thema „Ed Wood. Trash und Ironie“. Forschungsschwerpunkte Trash/Exploitation, Film-/Bildtheorie, crossmediales Erzählen, Raumtheorie, Queer Cinema.

Forschungsprojekt:

„ Kinästhetik des Actionfilms“
Obwohl der Film eine Kunst der Bewegung ist, orientieren sich Arbeiten zur Medialität des Kinos vor allem am Verfahren der Montage oder dem Dispositiv der Projektion. Eine genuine Ästhetik der Bewegung fehlt jedoch bislang. Besonders augenfällig wird dies im Genre des Actionfilms, das sich mit herkömmlichen narratologischen und dramaturgischen Methoden nur schwer fassen lässt. Zu häufig wirken diese Filme wie eine willkürliche Aneinanderreihung von Kneipenschlägereien und Autoverfolgungsjagden, welche die ‚Handlung‘ nur wenig voranbringen.

Eine allein auf die narrativen Strukturen und kognitiven Verständnisprozesse ausgerichtete Filmwissenschaft ist daher nicht in der Lage, die Komplexität des Genres Action annähernd zu erfassen und die andauernde Faszination für das Publikum zu erklären. Phänomene wie Bewegungsmimikry oder Reflexreaktionen, viszerale Schocks und Anspannung weisen darauf hin, dass die Grenzen zwischen Körper bzw. Leib und kognitiver Verarbeitung an dieser Stelle dünner sind als von narratologischen Ansätzen angenommen. Das Forschungsprojekt möchte daher als alternativen Zugang verschiedene Konzepte der filmischen Erfahrung – seien sie verstanden als leibliche Erfahrung etwa im Sinne der Phänomenologie, als ästhetische Erfahrung im Sinne der philosophischen Ästhetik oder als postsubjektivistische ‚Erfahrung‘ etwa bei Deleuze – in ihrer Anwendbarkeit auf dieses so typische und doch so schwer fassbare filmische Genre erörtern.